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Reviews
Luigi Archetti - Transient Places
Unit Records Switzerland, UTR 4154
THE WIRE
Issue 249 / November 2004
On the 15 sections that make up TRANSIENT PLACES, Italian guitarist Luigi
Archetti attemps to „set up a balancing act between total control
and the inexplicable“. Intrigued by the language and the materials
used to generate them, he tries to hold onto the sounds he makes and hears
for as long as possible before letting them go. By listening intently
to his guitar pickup, he pushes the audible to its limits. Here, the processed
sounds created and the memory of sounds already gone become as one. Assisting
Archetti in his quest are string players Franziska Rohner, Bo Wiget and
Michael Heisch, who add an aura of spectral elegance.
Reviewed by: Edwin Pouncey
JAZZ'N'MORE
Mit "Transient Places" hat Luigi Archetti ein starkes Album
eingespielt, das ganz vom feinen Gespür des Musikers für Klangs-
und Stimmungsnuancen lebt. Die Musik hat mit ihrer kühlen Ausstrahlung
zweifellos etwas Ambient-artiges, tönt jedoch im Gegensatz zu anderen
Produktionen auf diesem Gebiet keineswegs diffus oder verschwommen, sondern
besticht im Gegenteil durch seine Präzision. Dank der hohen Klang-Qualität
wirken Archettis Audioskulpturen immer präsent und beinahe greifbar.
Die CD, die in 15 Stücke unterteilt ist, deckt ein weites Klangspektrum
ab: Von tiefen Bässen über statisches Rauschen und Knacksen
bis hin zu sphärischen Flächen und Drones ist hier alles zu
finden. Und es ist dem Musiker hoch anzurechnen, dass man das Album trotz
dieser breiten Palette als zusammenhängendes Ganzes wahrnimmt.
tk
Radio Onda Sonora www.ondasonoraradio.com
Madrid / Oktober 2004
Contenidos Onda Sonora (Radio Sesiones Experimentales) 15-09-2004
Luigi Archetti es compositor, explorador musical y guitarrista, nacido
en Brescia, Italia, y residente en Suiza. Tras haber fundado numerosos
proyectos de improvisación, noise y computer music, Archetti parece
últimamente más centrado en su faceta más personal
como compositor. Este es su nuevo disco, editado en el sello experimental
y de improvisacion suizo Unit Records fundado en 1983, y que presenta
este jueves en el Lem Festival Barcelones
Radio DRS 2
Musik unserer Zeit / Neue CDs mit Neuer Musik
Mittwoch 6. Oktober / 21:00 bis 22:00 Uhr
Gesprächsteilnehmer: Christine Omlin
Thomas Meyer
Thomas Adank (Redaktion)Thomas Adank (T.A.) .....und nun zu Luigi Archetti:
Transient Places.....
es folgt ein Ausschnitt aus Transient Places / Place 04....
Thomas Adank: Christine Omlin diese digitale Miniatur, was löst die
bei bei dir aus?
Christine Omlin: Ich habe mir überlegt: wenn ich eine Einführung
an einem Kinderkonzert geben müsste mit diesem Stück, wie würde
ich das den Kindern sagen? Ich würde sagen: ein Stück über
mindestens 99 Arten zu „kräschle“ und zu „donnere“.
Irgendwie so etwas. Er hat ja einen ziemlichen Reichtum, obwohl er sich
ja immer in den Geräuschen bewegt.
Thomas Adank: Ja das stimmt.
Christen Omlin: Da habe ich echt noch was rausholen können. Und was
mir auch gefällt, jetzt grad an diesem Stück: das fängt
an, und ich denke: ach...bin ich jetzt auf den Dancefloor? Das ist so
ein „Wummer-Techno-Bass“ ....und dann komme ich aber sofort
auf ganz andere Atmosphären. Er leitet mich immer so ein bisschen
hin und her und tickelt mich mich so ein bisschen... so jetzt: bist du
da..... und ah: Nein! Jetzt bin ich doch in der Noise-Art-Electronica-
eh....Bububu.....Dings......
Thomas Meyer: Zum Glück ist es kein „Wummer-Dance-Bass“
an dieser Stelle. Sondern sehr zurückgenommen, so dass man den Rest
ahnt. Ich finde es eigentlich keine aufdringliche Musik. Überhaupt
nicht. Nirgends! Auch dieses „Donnern“ das du erwähnst.....das
ist mir schon fast ein bisschen zuviel!
Thomas Adank: Und mir ist auch zuviel wenn du sagst: die 100 Arten „den
Regen zu beschreiben“...nein: das Geräusch, die Geräusche
zu bringen......Es sind nämlich sehr wenige Elemente.
Christine Omlin: Gut: ich meine natürlich die CD. Er hat unglaublich
viele Sounds drauf!
Thomas Meyer: Mit Liebe gemachte Sounds übrigens.....
Christine Omlin: Aber das stimmt was du sagst Thomas, es ist eigentlich
jedes Stück ist eher, wenn ich jetzt ein Bild beschreiben müsste....
es ist nicht ein Rot-Blau-Gelbes was weiss ich was...., sondern: „in-den-Blau-Tönen-gehaltenen“
monochrome Gemälde.
Thomas Meyer: Es ist eine Miniatur eigentlich....sehr stark.
Was das andere ist, was mir aufgefallen ist, also mir schien es wenigstens
so: es ist eine sehr gleitende Musik. Drum auch dieser Titel: Transient
.....Diese ständigen Übergänge. Wir haben es mit einer
schwebende Musik zu tun, einer gleitenden Musik, die ständig auf-
und einblendet; die verschiedene Schichten überein-andlagert....plötzlich
kommt aus einer anderen Ecke wieder was.....Grad dieses Stück das
wir gehört haben ist sehr schön unter Kopfhörern! Da kommen
diese Raumeffekte auch sehr stark raus. Es ist eigentlich eine Musik,
die überraschend wenig Abruptes hat. Also: wirklich mich nie schlägt...
quizck... äh....äh...rausreißen will....sondern mich eher
über verschiedene Plätze schiebt....
Christine Omlin: ...noch viel mehr auch auf den zweiten Stück, den
wir anhören werden....
Thomas Adank: Ich hab mich gefragt was die Faszination ausmacht hier und
ich denke es hat vielleicht damit zu tun, dass er.....sie sagen Thomas
Meyer: uns platzt lässt....
Thomas Meyer: mh,mh
Thomas Adank: hinzuhören, genau hinzuhören auf die Geräusche.
Und dass Geräusche wie automatisch uns zwingen sie zu orten. Was
knistert da? Ist das Feuer? Es zwingt uns fast zu Assoziationen.
Christine Omlin: Ja! Und er setzt die Geräusche natürlich auch
hin..... Er ist sehr geschickt mit dem Ablauf nicht? Also: wo kommt das
Geräusch? Wie er das Auswählt..... Das finde ich immer so: Aha!
Jetzt ist das...Aha! Er führt mich sehr geschickt mit dem Wechsel
der Geräusche, obwohl die ja sehr subtil sind. Das ist beim zweiten
Stück dann anders. Es ist ein riesiger.... so ein Wurm...Ich hab
immer gedacht: so klingt es also im Innern der Erde.... So ein Lavastrom....
Alle lachen....
Christine Omlin: .....ich hab diese Bilder von diese BBC-Filme vor mir.
Wunderbar nicht?
Thomas Meyer: und es ist wirklich erstaunlich, dass er das offenbar alles
aus seiner Gitarre rausholt hat. Also: wenn ich das richtig verstanden
hab....
Thomas Adank: ...und Lap-Top.....und Maschinchen.....
Thomas Meyer: ...und Laptop...und dann noch vielleicht noch andere Instrumente.
Aber schon....Es wirkt überhaupt nicht beliebig.
Christine Omlin: Nein! Es kommt aus einer Küche. Das kann man sagen,
nicht?
Thomas Meyer: Ja.... es ist sehr überzeugend!
Thomas Adank: Gut! Dann ein weiterer Track aus Luigi Archetti‘s
Transient Places....
es folgt ein Ausschnitt aus Transient Places Place 02......
Am Schluss der Sendung wir die CD von Luigi Archetti von Thomas Meyer
als „Lieblings-CD“ ausgewählt.
Moonhead -International
Music Underground- / Oktober 2004
LUIGI ARCHETTI
Selten nützt es Dingen wirklich, wenn man sie auf die Spitze treibt,
aber im Fall dieser CD schon. „Transient Places“ ist die gleichzeitig
logische wie natürliche Weiterentwicklung dessen, was der Musiker
/ Gitarrist Luigi Archetti mit „Low Tide Digitals“ und „Silent
Surface“ begonnen hatte (siehe die entsprechenden Rezensionen in
Moonhead-Ausgabe 6). Als Spiel mit der Stille und köstliche kleine
Gerichte im Stil der Nouvelle Cuisine waren die Vorgängeralben dort
beschrieben worden. „Transient Places“ ist noch konziser,
spielt noch stärker mit Hörgewohnheiten (und wirbelt sie durcheinander)
und ist auf eine verblüffende Weise ganz und gar anders "ambient",
als dieser Begriff üblicherweise verwendet wird.
Begleitet von Franziska Rohner an Violine und Viola, Bo Wiget am Cello
und Michael Heisch am Kontrabass sind 15 beim ersten Hören ziemlich
elektronisch anmutende Stücke mit den scheinbar nichts sagenden durchlaufenden
Titeln „Place 01“ bis „Place 15“ entstanden, die
allerdings – wie die Titel der Vorgängeralben – genau
dadurch den Hörer in keiner Weise festlegen oder vor-beeinflussen.
Jeder soll sich sein eigenes Bild machen und dies für sich selbst
einordnen. In ihren klanglichen Einzelelementen – Dröhnen,
Zirpen, Rauschen, Pulsen – eher unspektakulär, entsteht ihr
ungewöhnlicher und einzigartiger Zauber dadurch, dass sie als Klangskulpturen
wirken, die die Räume verändern, in denen sie gespielt werden.
Einige der Klänge werden gar nicht als aus den Boxen kommend wahrgenommen,
und andere rufen regelrecht Resonanzen von Dingen im Raum hervor. Fast
provozierend ist der Effekt, dass sich im Laufe des Abspielens Alltagsgeräusche
in die Musik mischen, die man üblicherweise – und insbesondere
wenn Musik läuft – gar nicht wahrnimmt. Im Falle des Rezensenten,
der die CD auch auf seiner Küchenanlage gespielt hat, waren es beispielsweise
das Abklinggeräusch einer seit 20 Minuten abgeschalteten Herdplatte
oder das Blubbern des „stummen“ Kühlschranks. Es lohnt
sich, beim Hören dieser CD im Raum herumzulaufen, einzelne Geräusche
zu „orten“ oder auch sein Ohr an Einrichtungsgegenstände
zu halten, und in der Tat: Eine Lampe klingt anders als eine Kommode,
eine Topfpflanze oder ein Toaster. Was ist daran Besonderes? Es ist davon
auszugehen, dass mancher Hörer zunächst eher befremdet sein
dürfte oder gar fragt, ob dies überhaupt Musik ist oder als
solche bezeichnet werden darf. Dies ist häufig die erste Reaktion
auf etwas substanziell Neues in der Kunst, in der Literatur genauso zu
beobachten wie in der Malerei oder in der Musik. Aber dieses Gefühl
des Befremdens und der Unerhörtheit ist in manchen Fällen auch
ein Indikator. In einer aktuell eher beliebigen Avantgarde (einer spielt
in Dur, einer in Moll, und ob ein Geräusch zur Musik gehört
oder auf einen technischen Fehler des Manns am Mischpult zurückgeht,
scheint auch eine eher untergeordnete Rolle zu spielen) setzten Archetti
und seine Mitmusiker einen Maßstab. Dieser Umgang mit Lärm
und Geräuschen ist kultiviert, kalkuliert und komponiert. Transient
Places – Räume geraten durch Klänge in Bewegung, und dies
absichtsvoll und angekündigt. Ein etwaiges Anzweifeln der Kunst dieser
CD (wie es den Vorgängeralben in einigen Jazzmagazinen widerfahren
war) wäre völlig überflüssig und würde nur auf
den Feststeller zurückfallen.
Natürlich ist Archettis Musik nicht für jeden gleichermaßen
interessant. Auch für geübte Ohren ist sie eine Herausforderung.
Aber was für eine Art von Musik wäre das eigentlich, wenn man
sie kategorisieren wollte? Ein Blick auf die Danksagungen im Cover gibt
einen guten Hinweis. Unterstützt wurde die CD unter anderem vom Präsidialdepartement
der Stadt Zürich, Abteilung Pop-Kredit.
Frank Gingeleit
www.modern-dance.co.uk
The A-Z Music Review Magazine
November 2004
In the last issue I characterized Luigi Archetti's previous albums "Low
Tide Digitals" (together with Bo Wiget) and "Silent Surface"
(together with Jan Schlegel) as being some of the closest approximations
to silence that seem to be possible in music, but at the same time quite
opulent once you got used to it, "a bit like delicious small dishes
in the French nouvelle cuisine or like one drop of water after having
been thirsty for a while", just to quote myself.
Now, "Transient Places" (Unit Records UTR 4154) seems to have
gone further than this. Though accompanied by a string quartet of violin,
viola, cello and double bass this CD sounds completely electronic. These
15 tracks with the rather indifferent continuous titles "Place 01"
through "Place 15" achieve nothing less than building up space.
Unlike usual sound sculpturing, concerning your perception they even change
the room that you're in while listening. Being very far away from all
conventional composition principles you sometimes can neither identify
sounds nor even detect where they're coming from. And, almost provocatively,
they mix up with everyday sounds and noises that you're usually not aware
of. To give you an example of this: I also listened to this CD in my kitchen
while having dinner and one of the noises that I couldn't identify at
once was that of a hotplate already off for about twenty minutes. It's
quite worthwhile to walk around in the room where you're listening to
this CD, and you will detect that the things around you have their own
"sounds" when resonating with Archetti's music. But is this
still music, some might ask, and not juat a sound installation? Even for
experienced ears this CD is quite a challenge, and yet the answer is "yes,
it is music".
In a period of a rather ambiguous or even accidental musical avant-garde
(one plays in major, one in minor, and who cares whether a sound is part
of the tune or caused by an error of the tape operator), Archetti's way
of dealing with sound and noises is cultivated, calculated and composed.
If you'll like it in the end or not, listening to this CD is a quite unique
experience that you don't want to miss when you have a serious interest
in the development of contemporary music.
F.G.
Tages Anzeiger
Mittwoch, 3. November 2004
Kultur / Hören
Reine Synthetik
Wo bei Koch-Schütz-Studer der Teufel los ist, da sucht der Zürcher
Multimedia-Künstler/ Gitarrist Luigi Archetti auf „Transient Places die Kontemplation
und das betont Nichtspekta-kuläre. Das klingt wie Musik von einem
Ort, wo keine Zeit mehr ist und die Räume unendlich sind: ein Kontinuum
von synthetischer Reinheit, ein Sirren und Surren. Permanent suhen wir
bei diesen Tönen die Farbe Weiss vor unseren Augen. Änderungen
vollziehen sich meist nur im Mikrobereich. Die Musik entwickelt sich langsam
und prozesshaft, fast mystizistisch wirken dabei diese Elektroklänge.
Archetti ist fasziniert von der puren Existenz des Klangs. Wir horchen,
lassen uns in die manchmal klinisch kalten Klangschichtungen hineinfallen.
Und nicht selten auch von ihnen forttragen.
cme
WOCHENZEITUNG
Nr. 47 / WOZ MUSIC 2004 / 18. November 2004
Fast schon klinisch rein kommt dagegen „Transient Places“
daher, das neue Soloalbum von Luigi Archetti. Die fünfzehnteilige
Suite des knapp fünfzigjährigen italienischen Multimediakünstlers,
der seit vierzig Jahren in Zürich lebt, ist eine digitale Produktion,
gemischt aus unterschiedlichsten Klangschnipseln, die er auf der E-Gitarre
erzeugt und in den Computer eingespeist hat. Aus diesem Material fabriziert
Archetti seine Soundscapes, diffus wabbernde Klangwolken, die sich kaum
merklich verändern und entwickeln, stillstehen und dann plötzlich
zerzaust werden. Archetti geht es darum, die Stofflichkeit von Tönen
und Sounds darzustellen, die Dynamik auch als Spiel von Kontinuum und
Pause, von Ausbruch und Stille. Als Gäste erscheinen auf Luigi Archettis
Album ein Streichtrio mit Franziska Rohner (Violine, Bratsche), Bo Wiget
(Cello) und Michael Heisch (Kontrabass). Der Versuch, die einzelnen Instrumente
aus diesem fast schon metaphysischen Rauschen herauszuhören, macht
„Transient Places“ zum Hörerlebnis.
Frank von Niederhäusern
AARGAUER ZEITUNG /
MLZ
02.Februar 2005
Als treibe man im Tauchanzug
Beklemmend die Klangwelt des Luigi Archetti
Luigi Archetti (49) drückt sich durch Malerei, Fotografie, mit Video-
und Klanginstallationen und Musik aus. Er konstruiert ästhetische
Landschaften, manchmal mit glatten Oberflächen, matt und unprätentiös,
dann wieder schrill und verstörend. Seine Musik ist den Soundscapes,
den Klang-(land)schaften, verpflichtet. So auch die aktuelle Aufnahme
«Transient Places».
15 Stücke, vergängliche Klangorte, sind hier versammelt. Allen
liegt eine eigene, elektronisch erzeugte oder bearbeitete Soundbasis zugrunde.
Ein basslastiges Brummen, ein technoamorphes Sirren oder ein serielles
Knacken formen sich zum Gewebe, das den Grundton, die Atmosphäre
bereitet. Dieses meist relativ statische Fundament wird gebrochen durch
andere Geräusche, vielleicht ein Gurgeln, Klopfen oder Klingeln.
Die Noise-Störungen sind gedämpft, tauchen unerwartet auf und
haben etwas Unberechenbares. Assoziationen an reale Objekte, an einen
Wasserhahn, an Holz oder ein Telefon liegen fern. Genauso fern wirken
die einzelnen Stücke. So als treibe man im Tauchanzug in den Tiefen,
während das Ohr die Welt durch einen zähflüssigen Schleier
betrachtet. Eine beklemmende Klangwelt, in die wohl nicht jeder einsteigen
mag.
Dominik Schnetzer
POSITIONEN / dreiundsechzig
Mai 2005
Berlin, Ausgabe 63
Welche Möglichkeit gibt es, Klänge zur Entfaltung zu bringen
und die wechselnden Verhältnisse zwischen ihren Eigenschaften zu
gestalten? Dieser Themenstellung widmet Luigi Archetti seine unbedingt
empfehlenswerte CD transient places (2004), erschienen bei Unit Records.
Der Reiz der Produktion liegt gerade darin, dass die Musik den Hörer
über ihre Entstehungsprozesse weitgehend im Unklaren lässt und
ihn stattdessen mit der wechselnden Materialität aussehrgewöhnlicher
Ereignisse wie elektronische Pulsationen oder klingenden Oberflächen
unterschiedlicher Beschaffenheit konfrontiert, so dass der Hörraum
von einer sich in fünfzehn Stationen ständig verändernden,
minutiös ausgeleuchteten Klangskulptur ausgefüllt wird. Das
Geflecht miteinander verwobener Sounds lässt jedoch niemals den Eindruck
von Beliebigkeit entstehen; es erweist sich vielmehr als Ergebnis einer
logisch aufgebauten Dramaturgie von Ereignissen, in deren Mittelpunkt
die wechselnde materiale Qualität der jeweiligen Klänge steht:
Körnigkeit, Glattheit, Rauheit sind einige der Attribute, die hier
an Bedeutung gewinnen und den titelgebenden, „vergänglichen
Orten“ ein jeweils eigenes Gesicht verleihen. Diesen faszinierenden
Hörparcours erschafft Archetti durch eine eigentümliche Mischung
live gespielter Klänge – im Zusammenwirken von Streicherklangfarben
mit den umhertastenden Pick-Up-Geräuschen seiner Gitarre –
und deren digitaler Nachbearbeitung.
Stefan Drees
www.liabilitywebzine.com
Le son est composé de parties tonales, de bruit et de transitoires.
Tout traitement numérique y est un jour confronté, que ce
soit de la synthèse, de la compression ou de la reconnaissance.
Cet italien exilé en suisse allemande semble passionné par
cette décomposition sonore et s’est lancé tel un Christian
Fennesz, avec son laptop, à l’assaut du remodelage numérique
de toutes sortes de son trouvés ou créés. On ne peut
donc pas parler réellement de musique ici… Ainsi est né
Transient Places. Quinze pistes, quinze lieux sans nom, imaginaires et
éphémères qu’il tente de reproduire à
l’aide de son electronica et de notre cerveau. Un paysage audio
sensoriel par lequel il essaye de communiquer avec l’auditeur afin
de lui influer des images et des sensations. Mais pas seulement car Luigi
Archetti fait aussi des performances live aidées par de la vidéo.
De ‘simples’ concerts ou pour accompagner expositions vivantes
et autres expériences modernes. (Son domaine de prédilection
vidéo étant le phénomène de mitose, i.e. la
division et duplication des cellules avec tout ce que cela peut entraîner
au niveau symétries dans une image.) Tout en subtilité à
l’approche de _nos_ sens à travers _son_ sens artistique,
Transient Places est une totale réussite qui joue dans la catégorie
très fermée des maîtres de l’electronica expérimentale
comme les artistes de chez Touch, Raster Noton (e.g. Hervé Boghossian)
ou encore Rune Grammofone.
NEUE ZEITSCHRIFT für
MUSIK
Ausgabe 3 / Mai/Juni 2005
Klangflächen, Stottern, Blubbern, rhytmische Pattern, man ahnt es
schon: es muss sich um elektronische oder zumindest elektronisch verfremdete
Musik handeln. Musik, die sich entwickelt, sich weiterspinnt, die man
auch erst einmal nebenbei laufen lassen kann. Man wird hineingesogen in
die Musik Luigi Archettis, der zwischen zwei und acht Minuten kurze Stücke
komponiert hat, die organisch ineinander fliessen. Doch handelt es ssich
wirklich um elektronische, genauer gesagt, vor allem um elektronisch verfremdete
Musik mit E-Gitarren, Violine, Cello und Kontrabass. Auf einen reinen
Instrumentalklang wartet man vergebens. Assoziationen an diesen scheinen
jedoch immer wieder auf – vor allem in Form einer Spielhaltung,
einem Spielgestus wie zum Beispiel Tremoli oder ruhig atmend sich fortspinnenden
Streicherakkorden, die vomInstrumentalspiel geschickt in die Elektronik
übernommen werden. Mit Luigi Archetti ist hier ein Musiker am Werk,
der nicht nur trefflichst mit elektronischem Handwerks-zeug umzugehen
versteht, sondern der ebenso versiert ist im Umgang mit instrumental-gestalterischen
Para-metern und dem Aufbau von Spannungsbögen.
Klangliche Verdichtungen werden sorgsam entwickelt, nie zu plakativ, Brüche
gezielt und durchdacht gesetzt. Transient Places, das ist Musik, die sich
hineinschraubt in einem Klangstollen, ganz wie ein Tunnelbauer, dessen
Gerätschaften sich immer tiefer in den Berg hineinfräsen.
Nina Polaschegg
www.oltreilsuono.com
Un CD realizzato in coproduzione tra l'autore e la Unit Records, molto
interessante e particolare, suggestivo, inconsueto, che racchiude in sè
in modo chiaro e perfettamente integrato, e in una forma sicuramente molto
personale, le influenze che da anni sono alla base della musica di Luigi
Archetti. Suoni e strutture compositive minimali, miscelate ad atmosfere
di tipo para-ambientale, talvolta scure e drone-based, alle quali si alternano,
o sulle quali si inseriscono, elementi di più spiccato sperimentalismo,
frammenti di rumorismi elettronici e non, feedbacks, strane risonanze,
cupi riverberi, correnti elettriche... "Transient Places" propone
quindici tracce, solitamente di durata piuttosto breve, che pur caratterizzate
da una certa frammentarietà, stupiscono per come riescono ugualmente
a "legare" tra loro, e risultare nel loro insieme e nel loro
susseguirsi estremamente organiche e coerenti, complementari e sostanzialmente
"fluide"... Un album da ascoltare sicuramente con molta attenzione,
con un buon impianto stereo, e ad un volume ragionevolmente sostenuto,
e che si lascia apprezzare maggiormente al secondo ascolto e a quelli
ancora successivi, quando si ha già ben chiara la struttura, la
dinamica e la "logica" della proposta musicale di Luigi Archetti,
e non si è quindi in qualche modo contestualmente "impegnati",
durante l'ascolto, a cercare di coglierne e delinearne l'essenza e la
"classificazione", impresa peraltro piuttosto ardua in quanto
si tratta di musica di difficile "etichettatura". Volendo esprimere
delle preferenze, potrei dire che trovo particolarmente riusciti ed efficaci
i brani d'impronta più "scura" e statica, quelli dai
suoni più lunghi e "morbidi", le situazioni in cui Luigi
Archetti riesce a dilatare i tempi d'intervento, costruendo, per lenta
sovrapposizione di suoni in evoluzione, emozionanti atmosfere "in
crescendo"; i brani che, in sostanza, presentano una struttura meno
astratta, "spezzata" e frammentaria, prediligendo un andamento
più "progressivo" e in un certo senso più "lineare"...
Le tracce, prive di titolo, sono identificate solo da un numero progressivo,
e tra esse voglio segnalare in particolare le prime tre, molto statiche,
per lo più oscure e d'impronta "ambientale", l'ottava
traccia, molto "potente" e d'atmosfera, la tredicesima, molto
"profonda" e quasi drammatica nel suo incedere, e la tesa, "gorgogliante"
e "sotterranea" traccia conclusiva.
Giuseppe Verticchio
DISSONANZ / DISSONANCE
Nr. 93 / März 2006
Ohr-Yoga und Welthaltigkeit
Luigi Archettis neue CD präsentiert immerhin fünfzehn Stücke
zwischen zwei und neun Minuten Dauer, auch hier spielt die Vielfalt eine
grosse Rolle. Archetti ist in erster Linie Gitarrist und scheint mit der
Elektronik vor allem aufgenommene Klänge zu bearbeiten und mit den
entstehenden Samples am Computer zu komponieren. Auffallend ist an seiner
Musik im Vergleich mit derjenigen Steinbrüchel die „Welthaltigkait“:
auch wenn (eher selten) deutlich ein Instrument hinter den Klängen
zu erahnen ist – neben Archetti haben auch Franziska Rohner (Violine
und Viola), Bo Wiget (Cello) und Michael Heisch (Kontrabass) Klänge
beigesteuert-, so haben seine Samples doch eine andere, eher von Schwerkraft,
Vergänglichkeit und Materialität bestimmte Qualität.
Betongebäude, Glasfassaden, Stahlgebilde, endlose Tunnel mit monotonen
Lichterketten, sich selbst überlassene, aber oft trotz Rost und Verfall
noch perfekt funktionierende elektrische Installationen: als Elemente
eigenartiger urbaner Szenerien scheinen sie diese „transient places“
zu bestimmen, die aus einem postapokalyptischen Science-Fiction-Film stammen
könnten.
Doch dies führt nicht zu leerer Musiki, sondern zu faszinierender
Bildhaftigkeit. Ich kann mich nicht erinnern, von einer Musik je so stark
visuell angeregt worden zu sein, besonders aber fühle ich mich an
das Ende des Filmes L’eclisse von Michelangelo Antonioni erinnert:
jemand findet sich zu einem Treffen an einer Verkehrskreuzung in einer
verlassenen Gegend ein, doch der Andere kommt nicht; und im Laufe des
Wartens beginnt man die Umgebung wahrzunehmen, die Gebäude und die
abbröckelnde Mauern, die trotz abwesender Autos signalisierenden
Ampeln, die leeren Trottoirs - bis man unversehens nicht mehr wartet,
sondern bereits genau dort angekommen ist, wo man hinwollte.
Peter Baumgärtner |
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